Marc Bohlen
Marc Bohlen

Wer nach Marc Bohlen sucht, meint in der Regel Marc Böhlen, einen Künstler, Ingenieur, Forscher und Hochschullehrer, dessen Arbeit Kunst, Robotik, künstliche Intelligenz und gesellschaftliche Kritik miteinander verbindet. Die Schreibweise ohne Umlaut wird bei Online-Suchen häufig verwendet; auf seinen offiziellen Hochschul- und Projektseiten erscheint sein Name jedoch als Marc Böhlen.

Böhlen gehört zu den interdisziplinären Persönlichkeiten, die technische Systeme nicht einfach nur entwickeln oder anwenden. Er untersucht auch, welche kulturellen Werte, gesellschaftlichen Interessen und politischen Entscheidungen in Technologien verborgen sein können. Seine Projekte beschäftigen sich unter anderem mit maschinellem Lernen, Umweltmessung, GeoAI, automatisierter Pflege und der Kommunikation zwischen Menschen, Tieren und Maschinen.

Kurzprofil zu Marc Bohlen

Merkmal Information
Vollständiger Name Marc Böhlen
Bekannt als Marc Bohlen, Marc Böhlen und RealTechSupport
Beruf Künstler, Ingenieur, Forscher und Professor
Institution University at Buffalo, State University of New York
Fachbereich Department of Art
Weitere Anbindung Institute for Artificial Intelligence and Data Science
Forschungsfelder Computational Media, KI-Studien, Kunst und Technologie
Ausbildung Kunstgeschichte, Archäologie, Elektrotechnik, Kunst und Robotik
Bekannte Projekte Return to Bali, Glass Bottom Float, Robots for Last Days
Auszeichnungen VIDA Award 2004 und Vilcek Digital Art Prize 2014

Wer ist Marc Böhlen?

Marc Böhlen ist Professor im Department of Art der University at Buffalo. Gleichzeitig gehört er als Affiliate Faculty dem dortigen Institute for Artificial Intelligence and Data Science an. Seine offiziellen Forschungsbereiche werden als Computational Media sowie Art and Technology im Bereich Emerging Practices beschrieben.

Diese Position passt zu seinem ungewöhnlichen Arbeitsprofil. Seine Werke lassen sich weder ausschließlich der bildenden Kunst noch allein der Informatik oder Robotik zuordnen. Stattdessen entwickelt Böhlen technische Prototypen, Forschungsprojekte und künstlerische Installationen, die gesellschaftlich relevante Fragen aufwerfen.

Auf seiner Plattform RealTechSupport beschreibt er seine Tätigkeit mit Begriffen wie „Public Computational Media“, „Speculative Robotics“, KI-Studien und Medienkunst. Der Name klingt zunächst wie der eines technischen Kundendienstes. Tatsächlich handelt es sich aber um ein künstlerisches und wissenschaftliches Projekt, das untersucht, welche Art von Unterstützung moderne Technologien selbst benötigen.

Sein ungewöhnlicher Bildungsweg

Die Biografie von Marc Böhlen zeigt, weshalb seine Arbeit so viele Disziplinen verbindet. Laut seinem offiziellen Hochschulprofil wurde er zunächst als Steinmetz ausgebildet. Anschließend studierte er Kunstgeschichte und Archäologie an der Universität Zürich und erwarb dort ein Lizentiat.

Nach diesem geisteswissenschaftlichen Studium arbeitete er zeitweise als Farmarbeiter in British Columbia in Kanada. Später studierte er Elektrotechnik an der University of Colorado. An der Carnegie Mellon University beschäftigte er sich danach mit Kunst und Robotik.

Parallel zu seiner akademischen Ausbildung sammelte Böhlen mehrere Jahre Berufserfahrung als technischer Mitarbeiter in den IBM Research Laboratories in der Schweiz. Sein Profil vereint daher handwerkliche Praxis, Geisteswissenschaften, Ingenieurwissen, industrielle Forschung und künstlerische Arbeit.

RealTechSupport und die kritische Betrachtung von Technik

RealTechSupport bildet den Rahmen für zahlreiche Projekte von Marc Böhlen. Im Mittelpunkt steht die Vorstellung, dass technische Systeme nicht neutral sind. Datensätze, Sensoren, Roboter und KI-Modelle beruhen immer auf menschlichen Entscheidungen.

Es muss beispielsweise entschieden werden, welche Informationen gesammelt, welche Kategorien verwendet und welche Ergebnisse als wichtig betrachtet werden. Dadurch können technische Systeme bestimmte Perspektiven bevorzugen und andere Erfahrungen übersehen.

Böhlens Arbeiten verbinden deshalb häufig funktionierende technische Geräte mit gesellschaftlicher Kritik. Seine Projekte sollen nicht nur eine Aufgabe erfüllen. Sie sollen Menschen auch dazu bringen, über die Voraussetzungen, Grenzen und möglichen Folgen von Technologie nachzudenken.

The Universal Whistling Machine

Ein frühes Projekt ist The Universal Whistling Machine, das zwischen 2003 und 2005 entstand. Darin untersuchte Böhlen das Pfeifen als mögliche Kommunikationsform zwischen Menschen, Maschinen und Tieren.

Statt Maschinen immer stärker an die komplexe menschliche Sprache anzupassen, schlug das Projekt eine einfachere akustische Zwischenebene vor. Pfeiftöne besitzen keine klassischen Sprachlaute und kommen in unterschiedlichen Kulturen sowie in der Tierwelt vor.

Die Maschine konnte bestimmte menschliche und tierische Pfeiftöne nachbilden. Damit stellte das Projekt die Frage, ob eine technische Schnittstelle entstehen könnte, die nicht ausschließlich von menschlicher Sprache ausgeht.

Glass Bottom Float und die Qualität von Badewasser

Mit Glass Bottom Float entwickelte Böhlen von 2008 bis 2013 einen schwimmenden öffentlichen Roboter. Seine Aufgabe bestand darin, die Wasserqualität an öffentlichen Badeorten zu untersuchen und die Ergebnisse für die Bevölkerung zugänglich zu machen.

Das System kombinierte etablierte Messwerte wie Sauerstoff- und Chlorophyllwerte mit experimentellen Sensoren und Beobachtungen zur empfundenen Badequalität. Der Roboter sollte sich bevorzugt an Stellen aufhalten, die er als geeignet zum Schwimmen bewertete.

Böhlen machte die Umweltmessung dadurch zu einer sichtbaren und gemeinschaftlich diskutierbaren Tätigkeit. Die gesammelten Daten sollten öffentlich verfügbar sein und nicht ausschließlich in wissenschaftlichen oder behördlichen Systemen verbleiben.

Robots for Last Days

Das Projekt Robots for Last Days aus den Jahren 2016 und 2017 beschäftigte sich mit der Automatisierung der Pflege am Lebensende. Böhlen verband dafür Erkenntnisse aus Soziologie, Philosophie, Medizin, Ingenieurwesen und Robotik.

Neben wissenschaftlichen Texten entstand ein Theaterstück über einen schwer kranken Patienten, Pflegekräfte, Techniker und einen Pflegeroboter. Im Mittelpunkt stand nicht die Behauptung, Roboter könnten menschliche Betreuung problemlos ersetzen.

Das Projekt zeigte vielmehr die emotionalen, ethischen und organisatorischen Schwierigkeiten, die entstehen können, wenn menschliche Fürsorge automatisiert wird. Dabei ging es auch um Verantwortung, Würde und die Frage, welche Entscheidungen einer Maschine überlassen werden dürfen.

Return to Bali: Maschinelles Lernen und lokales Wissen

Von 2019 bis 2022 arbeitete Marc Böhlen an Return to Bali. Das Projekt führte ihn in das balinesische Dorf Bayung Gede, das bereits in den 1930er-Jahren von den Anthropologen Margaret Mead und Gregory Bateson untersucht worden war.

Gemeinsam mit lokalen Beteiligten entstand die Bildsammlung Bali26 mit mehr als 50.000 Aufnahmen. Sie dokumentiert Pflanzen, Früchte und ökologisches Wissen aus realen Alltagssituationen. Die Bilder sind nicht künstlich bereinigt oder unter kontrollierten Studiobedingungen aufgenommen worden.

Dadurch unterscheiden sie sich von vielen standardisierten Datensätzen, mit denen Bilderkennungssysteme trainiert werden. Bali26 enthält komplexe Hintergründe, wechselnde Perspektiven und visuelle Unordnung. Der Datensatz stellt KI-Systeme deshalb vor größere Herausforderungen.

Gleichzeitig trägt das Projekt dazu bei, lokales Pflanzenwissen zu dokumentieren, das unter jüngeren Generationen zurückgeht. Return to Bali verbindet somit die Kritik an maschinellem Lernen mit kultureller Erinnerung, Biodiversität und einer gerechteren Produktion von Wissen.

GeoAI und planetarisches Rechnen

Ein neuerer Forschungsschwerpunkt ist On the Logics of Planetary Computing, ein Projekt aus den Jahren 2022 bis 2025. Es untersucht die Verbindung von Geografie und künstlicher Intelligenz am Beispiel des Alas-Mertajati-Gebiets in Zentralbali.

Dabei arbeitet Böhlen mit hochauflösenden Satellitendaten, geografischen Informationssystemen, Landschaftsanalysen und räumlich arbeitenden KI-Modellen. Im Zentrum steht die Frage, wie private Fernerkundung und GeoAI unsere Wahrnehmung der Erde verändern können.

So wie große Sprachmodelle die Produktion und Interpretation von Text beeinflussen, können geografische KI-Systeme mitbestimmen, wie Landschaften sichtbar gemacht, klassifiziert und verwaltet werden. Aus dem Projekt entstanden Forschungsbeiträge, eine Installation, ein interaktives E-Book und ein Buch. Es wurde teilweise durch ein Mellon Fellowship des National Endowment for the Humanities unterstützt.

Auszeichnungen und internationale Arbeit

Marc Böhlen erhielt 2004 einen Artificial Life/VIDA Award. Im Jahr 2014 wurde er mit dem Vilcek Digital Art Prize ausgezeichnet. Seine Werke wurden unter anderem in Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Österreich, Spanien, Kroatien, Kanada, den Vereinigten Staaten, Japan, Singapur, Indonesien, Norwegen und Großbritannien präsentiert.

Nach Angaben der University at Buffalo hat er mehr als 50 begutachtete wissenschaftliche Publikationen verfasst. Seine Forschungen wurden außerdem durch Programme und Förderungen im Zusammenhang mit Intel, Microsoft Research, Google Research und dem National Endowment for the Humanities unterstützt.

Warum Marc Bohlen heute relevant ist

Marc Böhlen ist besonders relevant, weil er technologische Innovation nicht automatisch mit gesellschaftlichem Fortschritt gleichsetzt. Seine Arbeiten zeigen, dass Sensoren, Roboter, Datensätze und KI-Modelle immer auch Entscheidungen darüber enthalten, was gemessen, erkannt, gespeichert oder ignoriert wird.

Wer nach Marc Bohlen sucht, findet deshalb keine gewöhnliche Künstlerbiografie. Marc Böhlen entwickelt technische Systeme, untersucht ihre Voraussetzungen und macht ihre möglichen Auswirkungen sichtbar. Gerade in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz zunehmend Wissenschaft, Umweltpolitik, Pflege und Alltag beeinflusst, bietet seine Arbeit einen wichtigen Raum für kritische und verantwortungsbewusste Fragen.

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